Vielfältiges Neuseeland: ein Road-Trip über die Südinsel

Campingleben auf DOC Plätzen

Nach einem Tag voller Entdeckungen kommt zwangsläufig die Frage auf, wo übernachtet werden soll. Ein kurzer Blick aufs Handy verrät dank der Camping-App die umliegenden Campingplätze. Kein Geheimtipp mehr, aber vor allem in der Nebensaison empfehlenswert sind die Campingplätze des Department of Conservation (DOC). Sie befinden sich oftmals an landschaftlich besonders reizvollen Orten, sind vergleichsweise günstig und reichen von „spartanisch ausgestattet“ bis  „mit allem Komfort“. Das Leben auf den Campingplätzen ist entspannt: ob Backpacker oder neuseeländische Familie, hier sind alle vertreten. Man kommt ins Gespräch und verbringt den Abend nicht selten mit anderen Reisenden am Lagerfeuer. Keine Check-in oder Check-out-Zeiten und direkter Zugang zu Wanderwegen sind ein weiteres Plus.

Toilette mit Aussicht

 

 

Am Lake Rotoiti

Neuseeland wäre nicht Neuseeland, wenn diese Campingplätze alle über eine alltägliche Teerstraße zu erreichen wären. Stattdessen gibt es verschlungene Wege, mit Schlaglöchern gesäte Schotterstraßen und Bäche, die durchquert werden müssen, um an den ein oder anderen Campingplatz zu gelangen. Dies gilt übrigens auch häufig für Start- und Endpunkte für Wanderungen. Auf dem Weg zum Startpunkt für die Wanderung zum Gletscher Rob Roy war ich zwischendurch kurz vom Umdrehen. Zum Glück ging es dem Fahrer hinter mir ähnlich. Nachdem wir ausgestiegen sind, die Flusstiefe überprüft und uns kurz beratschlagt hatten, waren wir uns einig, es vorsichtig zu probieren. Mit einem Mietwagen wäre ich an dieser Stelle sicherlich umgedreht, doch mit meinem roten Allrounder tastete ich mich vorsichtig vor – und kam unbeschadet auf der anderen Seite an.

Sieht kleiner aus als es ist: das Schlagloch auf dem Weg zum Rob Roy

Lebensentwürfe: Aussteigerträume und jahrtausendealte Traditionen

Neuseeland begeistert mich nicht nur durch seine landschaftliche Vielfalt, sondern auch durch die Vielfalt der Aktivitäten und Lebensstile. Während man in Auckland, der Metropole schlechthin ein umfassendes Angebot an kulturellen Veranstaltungen, Museen, Restaurants hat und alle Annehmlichkeiten des modernen westlichen Daseins genießen kann, kann man in anderen Regionen das Leben auf selbstversorgerischen Höfen erleben. Die Abgeschiedenheit und die Rückkehr zur Natur trägt dazu bei, dass in diesen Regionen der Zusammenhalt der Gemeinschaft stark ausgeprägt ist. Man hilft sich gegenseitig, organisiert kulturelle Veranstaltungen, beschult die Kinder gemeinsam. Und entwickelt einen erstaunlichen Erfindergeist, der einem das doch manchmal beschwerliche Leben auf dem Land vereinfacht. Für viele Aussteiger ist die Unabhängigkeit und Freiheit, die mit diesem Lebensstil einhergeht, ein wahrgewordener Traum.

Aussteigerträume werden wahr

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Seit vielen Jahrhunderten leben dagegen schon die Maori in Neuseeland. Sie kamen vermutlich im 13. Jahrhundert von Polynesien aus und waren die ersten Menschen, die die Inseln besiedelten. Ihre Traditionen sind heute noch wie damals sehr lebendig. Anfang meiner Reise traf ich eine Maori, die während ihrer Kindheit in den 70er Jahren von ihrer Familie nur wenig über ihre Kultur vermittelt bekam – damals war es verpönt, Te Reo Maori, die Sprache der Maori, zu sprechen und die uralten Sitten und Gebräuche zu leben. Inzwischen hat jedoch ein Umdenken stattgefunden und die alten Traditionen werden überall wiederbelebt und zelebriert. Waikarare organisiert regelmäßig Veranstaltungen im warae – Versammlungshaus – und leistet damit einen großen Beitrag zur Wiederentdeckung und zum Erhalt der Maori-Kultur in ihrer Gemeinde. Seit kurzem hat sie sich zudem ihren größten Wunsch erfüllen können: ein Haus auf dem Land zu bauen, dass ihre Ahnen seit Jahrhunderten bewohnt und bewirtschaftet haben.

 

Auf dem Land der Ahnen
Traditionelle Musikinstrumente der Maori

Reisetipps

Meine Rundreise mit dem Auto führte mich quer über die Südinsel. Von Christchurch durch die Catlins nach Te Anau, Queenstown, Wanaka, Fox Glacier, Hokitika, Karamea, Nelson / Abel Tasman Park, Picton, Akaroa und zurück nach Christchurch. Am meisten beeindruckt haben mich der Milford Trek, Wanaka mit seiner Lage am See und den herrlichen Wandermöglichkeiten sowie die versteckten Buchten und Inseln der Marlborough Sounds um Picton.

Erstaunt war ich über die Preise: Neuseeland ist nicht günstig! Jemand sagte mal zu mir: „Neuseeland ist ein großer Spielpatz– aber man muss für die Nutzung jedes Geräts bezahlen.“ Und das stimmt! Aber man muss ja nicht jedes Gerät nutzen… Und es gibt z.B. viele tolle Wanderungen und Fahrradwege, die völlig kostenlos sind.

Eine passende Beschreibung der rauen Landschaft der Catlins

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