Deutschland: meine Heimat immer im Gepäck

Manchem von euch geht es vielleicht ähnlich: auf Reisen werdet ihr schnell als Deutsche erkannt. Dabei hattet ihr euch doch gerade so bemüht, im authentischsten englischen Plauderton die Konversation zu beginnen. Aber natürlich ist der Akzent nicht der einzige Grund für die Enttarnung. In diesem Beitrag erfahrt ihr, warum ich auf meinen Reisen trotz passabler Englischkenntnisse meist recht schnell als Deutsche identifiziert werde und was das Reisen als Deutsche für mich bedeutet.

„Woher kommst du – aus Deutschland“? kommt meistens gleich nach „Wie geht’s?“ Kein Wunder, bestätige ich doch viele Eigenheiten, die Deutschen typischerweise zugeschrieben werden. Das fängt mit dem Äußeren an: meine Haare sind blond (und werden durch Meerwasser und Sonne noch blonder), meine Augenfarbe variiert zwischen grün und blau (je nach Lichteinstrahlung und Farbe des Oberteils), meine Haut ist blass mit Hang zu Sonnenbrand (deshalb trage ich meistens lange Kleidung). Auch wichtige typisch deutsche Charaktereigenschaften lasse ich nicht aus: ich bin durchorganisiert, direkt, pünktlich, zuverlässig und perfektionistisch. Mein Rucksack ist von Deuter (meine Jacke allerdings nicht von Jack Wolfskin!) und das Durchschnittsgewicht meines Rucksacks ist ca. 1-2 kg höher als bei anderen Reisenden. Aber dafür bin ich für alles gerüstet.

Der Rucksack etwas schwerer, aber dafür alles mit dabei

Gerüstet für alle Fälle

Kopfschmerzen, Schnupfen, Durchfall, Schürfwunden? In meiner kleinen aber feinen Reiseapotheke findet sich sicher das richtige Medikament bei kleineren und größeren Wehwehchen. Dazu gehören übrigens auch die Jodtabletten, mit denen man Wasser in 30 min trinkbar machen kann.

Obstsalat

Hunger, aber weit und breit kein Essen in Sicht? Ich habe garantiert noch irgendwo den ein oder anderen Müsliriegel und Studentenfutter versteckt. Meine Miniküche in Form einer Plastikbox, Klappmesser und Göffel ist auch immer dabei – so wird schnell aus dem frischen Obst und Gemüse vom Markt ein Salat.

Ohropax und Schlafbrille versüßen die Nacht im Schlafsaal

 

 

 

Schnarchende Mitbewohner im Schlafsaal oder Zelt nebenan und verzweifeltes „Im-Dunkeln-nach-dem-Rucksack-tasten“ weil alle anderen schon selig schlafen? Nicht mit mir: Ohropax, Schlafbrille und Stirnlampe (inklusive Ersatzbatterien) sind meine treuen Begleiter.

 

Die Sonne brennt vom Himmel und selbst langärmlige Kleidung reicht nicht als Sonnenschutz oder vom Monsunregen überrascht und keine Lust, bei der Hitze die Jacke überzuziehen? Mein Regenschirm erweist sich als Allzweckwaffe bei jeglichen Wetterlagen.

Der Regenschirm: verlässlicher Partner bei Sonne & Regen

„Mercedes? Very good car!“

Für alle Situationen ausgerüstet spaziere ich je nach Wetter- und Wegbeschaffenheit mit meinen Sandalen oder Wanderschuhen durch die Welt. Und darf immer wieder feststellen, was für ein Glück ich habe, einen deutschen Reisepass zu besitzen. „Alle Länder“ steht da auf Seite 2 – und davon nach einer Studie aus dem Jahr 2016 177 sogar visumsfrei. An den Grenzen begegnet man mir meistens mit einem Lächeln und heißt mich fröhlich im Land willkommen. Gleichgültigkeit ist das Negativste, was ich bis jetzt bei meinen Einreisen erlebt habe. Deutschland ist ein Land, von dem viele Menschen schon gehört haben und das große Neugier hervorruft. In Myanmar kennt jeder Junge Thomas Müller und der Scanner am Grenzübergang stammt aus Jena. In Albanien mache ich Spritztouren im Mercedes. „Very good car“, versichert man mir immer wieder.

Sich selbst treu bleiben – und Neues zulassen

Typisch deutsch, so sagte mir mal eine Amerikanerin, sei auch meine Haltung, die ich gerne einnehme, wenn mich ein Ort besonders begeistert. Ein Fuß vorgestreckt, die Hände in die Hüften gestemmt, den Blick in die Ferne. Leicht als Eroberer-Pose zu interpretierten, drückt die Haltung vielmehr das Staunen über die Schönheit der Welt aus. Ich lasse die Augen langsam durch die Landschaft schweifen, sauge alles in mich auf. Schließe die Augen, atme die salzige, die schwül-warme, die klare, die süße Luft ein. Mache die Augen wieder auf. Ich bin angekommen, in diesem Moment. Es gibt nichts Schöneres, keinen Ort, wo ich lieber sein möchte. Denn auch wenn meine typisch deutschen Eigenschaften beim Reisen im Kern erhalten bleiben, wandeln sie sich doch: In meinem Rucksack hat alles seinen Platz, sodass ich es auch im Dunkeln finde. Bei der Wahl meiner Reiseziele und -aktivitäten lasse ich mich treiben. Übernachtungen buchen? Die Reise durchplanen? Aber nicht mit mir. Muss ich einen Flieger, Bus, Fähre, Zug nehmen, bin ich immer pünktlich. Von meinem Verkehrsmittel erwarte ich das allerdings nicht. Verzögerungen nutze ich gerne zum Lesen, Beobachten, Gedanken nachhängen. Meine Reiseapotheke kommt nur selten zum Einsatz und meistens eher dann, wenn ein anderer Reisender sich verletzt hat oder krank geworden ist. Beim Reisen bleibe ich meinen Prinzipien treu (wahrscheinlich auch wieder eine deutsche Eigenschaft). Sie erfahren aber gleichzeitig eine Lockerung und Anpassung an die örtlichen Gegebenheiten. Und das macht letztlich für mich das Reisen als Deutsche aus. Ich bleibe mir und meiner Kultur treu, aber entdecke gleichzeitig neue Wege und Denkweisen, die ich in meine bestehenden Gewohnheiten aufnehme.

Die 3-farbigen Seen auf Flores – ein Moment zum Genießen

P.S. Nein, ich trage keine Socken in Sandalen.

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