Auf einen Tee mit Rebellen

Die Berge um Hsipaw bieten fantastische Wandermöglichkeiten. Ob Tagestour oder mehrtägige Treks mit Übernachtungen bei Gastfamilien – hier kommt jeder auf seine Kosten. Wer sich Zeit lässt, wird nicht nur mit einer abwechslungsreichen Landschaft belohnt, sondern erfährt mehr über das einfache Leben in den Dörfern und den bewaffneten Widerstand der Palaung-Minderheit.

Im Palaung-Dorf

Es ist Abend. Der 1. Tag unserer Wanderung neigt sich dem Ende entgegen. Schon am frühen Morgen waren wir gestartet, die Stadt hatten wir bald hinter uns gelassen und gegen eine mit Feldern und Regenwald durchsetzte Landschaft eingetauscht. Nur wenige Dörfer haben wir unterwegs gesehen, die letzten zwei Stunden ging es stetig durch Wald und Teeplantagen nach oben. Als wir bei unserer Gastfamilie ankamen, empfingen uns zwei ältere Damen in buntgestreiften Longyis, das Haar kunstvoll auf Palaung-Art mit einem Tuch umwickelt. Abgesehen von ihnen und einem Kleinkind war das Haus leer. Die anderen Familienmitglieder, so erfuhren wir, arbeiten in anderen Dörfern, die mehrere Tagesmärsche entfernt liegen. Denn hier oben wird nur Tee angebaut und davon können nicht alle Dorfbewohner leben.

Unsere Gastgeber gehören zur Palaung-Minderheit
Wohnraum im traditionellen Haus

TNLA – bewaffneter Widerstand der Palaung

Wir sitzen im Kreis, der Reis mit Kürbis-Auberginen-Gemüse war vorzüglich. Von Müdigkeit keine Spur, stattdessen kommt die Sprache auf Rebellen. Jemand aus unserer Gruppe hat gehört, dass sich einige in dieser Region aufhalten. Nach kurzem Zögern bejaht unser Guide Win die Frage: Die Rebellen gehören zur TNLA, der bewaffneten Armee der Palaung, erklärt er uns. Ihre Ziele sind die Bekämpfung des Opiumanbaus und Selbstbestimmung für die Palaung. In diesem Gebiet gibt es seit Jahrzehnten Rebellen, zu Übergriffen auf Reisende ist es bislang nicht gekommen. Ein Grund dafür ist sicherlich, dass die Palaung vom Tourismus profitieren. Übernachtungsmöglichkeiten und geführte Wanderungen sind ein lukrativer Nebenerwerb.

Die Berge um Hsipaw

Als wir am nächsten Tag nach unserer Wanderung durch Teeplantagen und Wald das Tagesziel erreichen, trauen wir unseren Augen kaum. Grüne Uniform, die Beine übereinandergeschlagen, darauf das Gewehr, sitzt ein Rebell in einem Bambusunterstand am Straßenrand. Er nickt uns freundlich zu, als wir an ihm vorbeikommen.  Wir gehen weiter zu unserer Unterkunft, wo schon das Mittagessen auf uns wartet. Als wir alle gemütlich beisammensitzen, taucht plötzlich ein grünuniformierter Mann mit Gewehr im Türrahmen auf. Er würdigt uns keines Blickes und setzt sich wie selbstverständlich wenige Meter neben uns auf den Boden. Unsere Gastgeberin bringt ihm ein Glas Tee, das er abgewandt von uns in aller Ruhe trinkt, bevor er weiterzieht. Win erzählt, dass die Bevölkerung die TNLA größtenteils unterstützt. Dazu gehört auch, dass sie den Kämpfern Essen und Trinken sowie Schlafplätze zur Verfügung stellen.

In unserer Gruppe herrscht nachdenkliches Schweigen. Wir alle haben von den verschiedenen Rebellen-Gruppen in Myanmar gehört. Immer wieder werden Straßen und Grenzübergänge wegen Kämpfen gesperrt. Reisende werden von den Einheimischen rechtzeitig gewarnt, müssen aber Umwege in Kauf nehmen.

Mais und Strom powered by China

Am nächsten Tag stehen wir zeitig auf, um den Sonnenaufgang zu erleben. Trotz der frühen Stunde herrscht im Dorf schon reges Treiben. Zum Hahnengeschrei gesellt sich das Quietschen von Ochsenkarren, Frauen mit Körben auf dem Kopf machen sich auf den Weg zum Markt. Im Laufe unseres heutigen Weges werden die Teefelder wieder weniger, dafür sehen wir im Tal verstärkt Mais. Grund dafür sind die Investitionen der Chinesen, die hier Mais für den Export anbauen lassen. Dass es inzwischen auf vielen Dörfern Strom gibt oder zumindest Solarlampen, ist ebenfalls auf die Initiative von Chinesen zurückzuführen. Bald hinter den Maisfeldern können wir die ersten Häuser Hsipaws sehen. Noch ein paar Schritte weiter und wir sind nach der Stille in den Bergen wieder mitten drin im quirligen Durcheinander aus vollbepackten Menschen, Marktschreiern und hupenden Tuktuks.

Maisanbau

Reiseinfos:

Hsipaw liegt ca. 200km nordwestlich von Mandalay. Für die Fahrt empfiehlt sich der Zug. Die Etappe zwischen Pyin U Lwin und Hsipaw mit dem berühmten Gokteik-Viadukt gehört zu den schönsten Zugstrecken der Welt.

Hsipaw wird bei Touristen immer beliebter, sodass es inzwischen eine größere Anzahl an Gästehäusern und Anbietern von Trekking-Touren gibt. Es lohnt sich rumzufragen und zu vergleichen. Ich habe mit Mr. Charles Guest House gute Erfahrungen gemacht, sowohl was die Übernachtung als auch die Wanderung betrifft.

In der Stadt selbst gibt es auch einige Sehenswürdigkeiten, u.a. den Shan-Palast, in dem heute eine Nachfahrin des Shan-Fürsten lebt. Interessierte können hier mehr über die bewegende Geschichte der Fürstenfamilie erfahren.

Shan-Palast

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